Rundgang

 

Zur Vorgeschichte des Badwesens

Früher hat der Mensch nur in Bächen, Flüssen und Seen gebadet. Später
erst (in der Antike) schuf er sich ummauerte Bäder, die nicht
nur der Reinigung, sondern auch der Geselligkeit dienten. Zur Zeit
des römischen Reiches erlebten die Bäder eine Hochkultur.
Auch im arabischen Kulturkreis waren sie eine Selbstverständlichkeit.
Den Christen waren diese Stätten jedoch als „Orte der
Sünde“ ein Dorn im Auge. Sie zerstörten sie und sahen
auch das Baden an sich als „heidnisch und ungesund“ an.
Selbst in den Klöstern war das Baden zuerst verpönt oder
nur zu besonderen Festtagen gestattet.


Ein Umdenken setzte erst mit den
Kreuzzügen ein, als die Europäer die Badefreuden im Orient
kennengelernt hatten. Heimkehrende Ritter liessen sich in ihren
Burgen Bäder bauen, die von den Städtern bald kopiert
wurden. Badstuben schossen aus dem Boden, in denen nicht nur gebadet,
sondern allerlei Geselligkeit – oft zu Musikbegleitung – gepflegt
wurde. Man schmauste und zechte, gelegentlich herrschte in den
Städten auch ein sehr freizügiger, bordellartiger Betrieb.
Der Beruf des Baders war, wie der des Henkers und Abdeckers, lange
Zeit ein „unehrlicher“. Ihm oblag übrigens nicht nur
der Betrieb des Bades, der Bader liess auch die Bürger zur Ader,
setzte Schröpfköpfe, zog Zähne, behandelte Wunden und
schor Bart und Haare.



Der Niedergang der Badstuben setzte mit
den Religionskriegen ein. Die Ausbreitung von Seuchen (Syphilis),
steigende Holzpreise in den Städten und die moralische
Verdammung seitens der Kirchen beendeten das Badwesen. Man badete im
Zuber daheim oder wieder im offenen Wasser, was das Entstehen von
öffentlichen Badeanstalten begünstigte.

Das Pommelsbrunner Badhaus

Heimatforscher Dr. Otto Braun ist beim
mühevollen Studium des Pfarrarchivs auf die Spur des Badhauses
gestossen. 1486 ist dieses zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Eine Bauuntersuchung von Teilbereichen des Gebäudes durch die
Universität Bamberg (Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer) führte
1995 zur Eintragung in die Denkmalliste. Grosszügige Spenden haben die Gemeinde in die Lage
versetzt, das Badhaus samt Grund und Boden zu erwerben, um es zu
sanieren.

Im Obergeschoß befand sich die Diakoniestation des Diakonievereins Eschenbach/Hirschbach-Hohenstadt-Pommelsbrunn. Inzwischen sind nach dem Umzug der Diakonie die Räume als Wohnung vermietet.

Im Untergeschoß sind die Badräume zu besichtigen. Der Rundgang beginnt mit der Wohnstube des Baders und geht über die Schwitz- und Anwendungsräume zum Fundament von Schwitz- und Kesselofen.

Weiter geht es dann in einen erst bei den Ausgrabungen entdeckten Raum mit Zisterne sowie einem Raum mit Infoterminal.

An von Schülern des Paul-Pfinzing-Gymnasiums Hersbruck besprochen Hörstationen kann man Geschichten aus der Vergangenheit hören.

Das Museum ist mit einer selbsttätigen Schließanlage mit Münzeinwurf ausgestattet.

Chronologische Übersicht zur Bau- und Nutzungsgeschichte

1486Erste urkundliche Erwähnung.
Eberhart von Mistelbach, damals Inhaber des Lichtensteins, stiftet eine Frühmesse und gibt
ihr zum Unterhalt neben anderen Gütern auch das Bad zu Lehen, der Pfarrer war also
Lehensherr.
1593Bildliche Darstellung des
Badhauses im Pfinzing-Atlas
1599Erwähnung der Badstube mit
Backofen, Städelein und Obstgarten
1631Badstube brennt ab. Danach wieder
Badbenutzung
1672Das Badhaus hat „eine Zeit
lang oed gestanden“ und ist so baufällig, „dass man
allda nicht mehr hat baden können“.
1672-1680Erbauung einer „oberen
Stube“ mit Feuerrecht, damit der Hausbesitzer oben und „ein
Bader unten wohnen könne“. In
der Folge also zwei Wohnungen im Haus. Ausserdem „das Bad und anders mehr an dem Hause verbessert“.
Insgesamt wurden 80 fl. (Gulden) verbaut, was etwa der Hälfte des Gesamtwertes des
Anwesens entspricht. Mehrere Einquartierungen.
1678Bedeckung des Daches, das
„allenthalben eingegangen“ war, mit Strohbündeln.
1679„Weilen im Garten, unten am
Grund das Holz verfaulet, und die mauern hat sinken wollen, ist das faule holz heraus genommen und
alles von grund auf mit steinen gemauert worden“. „Dem Küpfer, von Happurg verdinget,
das eingefallene aufZumauern“.
1680Das Untergeschoss ist vermietet;
der Mieter lässt „den Zaun ganz um den garten binden“. „Die obere Stuben stehet noch
frei“.
1682Es wird festgelegt, dass das
Badhaus weiterhin als Badhaus genutzt werden soll. Der Bader kann
entweder das ganze Haus kaufen oder das Untergeschoss mieten.
1734Verkauf des
Badhauses vom Vater auf den Sohn; dabei Verkauf: „Kesell,
Bittnergeschirr, Eißzeig,
Schleißholz und ein bar Qüttel (Knüttel), 2 hennen, 2
ganß, die hiesigen gemein Legthe (Gemeinderechte),
gemein Brandt, mitt Wisz (Wiese)“. Abteilung der Wohnung „in
sein Winkel – sein untere
Stobm (Stube)“.
1801Der Besitzer ist
Bader und Wundarzt. Erwähnung einer Kammer auf dem Boden.
1825Aufbewahrung von
Hopfen auf dem Boden.
1844Die Grundherrschaft
der Kirche am Badhaus endet.
1867Konkurs des
Badanwesens wegen zu hoher Schuldenlast. Das Badergewerbe mit den
Dienstleistungen:
Haareschneiden, Rasieren, Zähneziehen und der Leichenschau ging
auf den Bader im Haus Nr. 22 über.
1874Erteilung einer
Konzession zum Betrieb einer Bierwirtschaft. „Er hat, laut
Aufriß, die nötigen Räumlichkeiten zum
Betreiben einer Bierwirtschaft in seinem Wohnhaus. Er hat einen sehr guten Keller“.
?Einbau einer
Eisenbahnschiene von 1879.
1939Betrieb einer
kleinen Landwirtschaft als Nebenerwerb.
1990Unterkunft für
Asylanten.
1993Abriss des
dazugehörigen Stadels.

Insgesamt haben 19 Bader über Jahrhunderte weg ihr Gewerbe am heutigen Standort Dorschstr. 2 ausgeübt.

Alle Daten/Angaben zur Chronologie von Dr. Otto Braun